Mein Wölfchen. Mein Sturköpfchen. Meine große Lehrerin.
Mit Birka begann unsere Reise in die Welt der Eurasier. Sie brachte uns nicht nur die besonderen Eigenschaften dieser Rasse bei, sondern lehrte uns Geduld, Gelassenheit und die Kunst, das Leben anzunehmen wie es kommt.

Birka hatte ihre eigenen Vorstellungen: Niemand machte bessere Schneeengel als sie. Und wenn sie draußen bleiben wollte, dann blieb sie - aber nur mit offener Tür! Das war ihr wichtig. Die Tür musste offen sein, damit sie jederzeit zu uns konnte. Dann blieb sie zwar meist draußen, aber es hätte ja sein können, sie müsste SOFORT zu uns. Typisch Eurasier: Sie wollen die Wahl haben.
Die fellbezogene Zenmeisterin: Birka strahlte eine besondere Ruhe aus. Menschen, die eigentlich Angst vor Hunden hatten, waren von ihr verzaubert. Oft hörten wir: “Birka ist ja auch kein normaler Hund, sie ist besonders.” Wie es Eurasiern eigen ist, hatte sie ihre Bezugsmenschen. Andere ignorierte sie manchmal einfach, als wären sie Luft.
Als Vorlesehund in der Schule war sie wunderbar - Kinder durften ihr vorlesen und sie hörte geduldig zu. Allerdings hatte sie auch ihre eigenen Prioritäten: Wenn draußen das “Eichhörnchen-Kino” lief, war sie völlig absorbiert von den kleinen Akrobaten am Baum. Plan B war dann gefragt, um die Kinder anderweitig zu beschäftigen. Auch in Seniorenheimen war sie als Besuchshund im Einsatz.
Die Achtsamkeitslehrerin: Jeder Grashalm wurde gründlich und mit absoluter Hingabe aus jeder Perspektive beschnüffelt. Das war ihre ganz eigene Achtsamkeitsübung, mit der sie uns zeigte, dass selbst die unscheinbarsten Momente es wert sind, bewusst wahrgenommen zu werden.
Birka verstarb Ende 2024. Eng vertraute Lebensgefährten sterben nicht von uns weg, sondern in uns hinein1 - die Erinnerung bleibt. Birka begleitet mich noch immer in den vielen kleinen Situationen des Alltags. Bei Spaziergängen, wenn ich einen Moment innehalte. In Momenten, die sie mich gelehrt hat zu meistern. Sie wird immer Teil von mir sein.

Die Primaballerina: Niemand dreht schönere Pirouetten als Eléva. Ihre Drehungen um die eigene Achse sind eine Kunst für sich.
Die Rennschneise: Wenn Eléva aufgeregt ist, dreht sie erst mal mehrere Runden um den Apfelbaum - so oft und so intensiv, dass sich dort inzwischen eine tiefe Furche gebildet hat. Ihre ganz persönliche Rennstrecke.
Die Landschaftsgärtnerin: Mit ihren kreativen Umdekorationsvorschlägen überrascht sie uns regelmäßig. Begeistert sind wir nicht immer über ihre Gestaltungsideen - aber es wird definitiv nie langweilig.
Der kleine Wirbelwind: Eléva saust verspielt durch die Wohnung und verwandelt dabei Pappschachteln und Holzstücke in kleine Schnipsel - ihr ganz eigenes kreatives Hobby.
Der kleine Kuschelteufel: Anders als Birka hat Eléva schnell die praktische Seite an Fremden erkannt - die haben Hände. Zum Streicheln. Jetzt. Wen sie besonders mag, dem bringt sie zur Begrüßung ihren Plüschseestern.
Als Vorlesehund in der Stadtbibliothek ist sie ideal - ruhig, aufmerksam und geduldig. Auch in der Aumühle (Behinderteneinrichtung) ist sie als Besuchshündin im Einsatz. Ihre sanfte Art begeistert Kinder und Erwachsene gleichermaßen.
Eléva zeigt uns täglich, wie unterschiedlich Eurasier sein können - und dass jeder seine ganz eigene, unverwechselbare Persönlichkeit hat.

Der jüngste Zuwachs. Seit diesem Sommer wohnt Inaari bei uns und stellt den Haushalt gründlich auf den Kopf. Sie ist noch mitten in der Welpenzeit, in der alles einmal angeschaut, beschnüffelt und vorsichtshalber auch angeknabbert werden muss.
Aphrodite im Bade: Der Trinknapf ist für Inaari kein Napf, sondern eine Badeanstalt. Erst steigt sie mit den Vorderfüßchen hinein, dann wird getrunken, und danach wird so lange im Wasser herumgepatscht, bis ringsherum alles nass und der Napf leer ist.
Die Schlammgeborene: Aphrodite, die Schaumgeborene, entsteigt bei Botticelli dem Meer, auf einer Muschel, umweht von Rosen. Inaari entsteigt der Pfütze. Der Schaum ist bei ihr aus Lehm, die Muschel war ein Blumenkübel, und Rosen regnet es auch keine. Wo Wasser steht, wird eben geprüft, wie tief es ist, und wo Erde ist, wird nachgesehen, was darunter liegt.

Das Reißwölfchen: Ihren aktuellen Job nimmt Inaari sehr ernst. Ob die Schnipselchen am Ende DIN-Norm sind, vermag ich nicht zu sagen, aber ich glaube nicht, dass man die Papiere wieder zusammensetzen kann. Lochen und Tackern macht sie prima. Das mit dem Abheften übernehmen wir dann aber doch lieber selbst, sie ist eher Fan der chaotischen Lagerführung, und das korrespondiert nicht ganz mit unserem Ablagesystem.
Ob sie später einmal einen Wurf haben wird, steht noch lange nicht fest. Erst müssen Gesundheit und Wesen stimmen und die Zuchtzulassung da sein, und selbst dann gilt: Gezüchtet wird nur, wenn Familien warten. Bis dahin darf sie einfach Hund sein.
Radeln ohne Alter: Wir engagieren uns für “Radeln ohne Alter” in Darmstadt (Arheilger Stadtteilverein e.V.). Dabei geben unsere Eurasier manchen unsichereren Fahrgästen zusätzliche Ruhe und Sicherheit. Die Senioren freuen sich über die pelzige Begleitung bei ihren Ausflügen durch Darmstadt und Umgebung.

Angefangen hat unser Ehrenamt mit Birka, die als Vorlesehund in der Schule und als Besuchshund in Seniorenheimen im Einsatz war. Eléva führt es fort, in der Stadtbibliothek und in der Aumühle. Und die Rikscha fährt weiter.
Warum das wirkt: Im Kontakt mit einem Hund sinkt der Cortisolspiegel, und der Körper schüttet Oxytocin aus. Der Blutdruck geht runter, die Anspannung lässt nach, Heilungsprozesse werden unterstützt. Bei Menschen mit Demenz zeigt sich das als weniger Unruhe und weniger Apathie. Viele kommen wieder ins Reden, weil ein Hund ein Thema mitbringt, zu dem jeder etwas beizutragen hat, und weil er sich verstehen lässt, ohne dass man die richtigen Worte finden muss.
Bei Kindern wirkt es anders herum. Ein Hund korrigiert nicht, lacht nicht aus und verbessert nicht. Wer sich vor der Klasse nicht zu lesen traut, liest ihm ohne Angst vor. Die Universität Rostock hat nachgewiesen, dass die Stressbelastung dabei messbar sinkt, und wer nicht unter Druck steht, lernt leichter. Bei einem Viertel der Viertklässler, das laut IGLU-Studie nicht richtig lesen kann, ist das keine Kleinigkeit.
Und das Entscheidende: Man muss den Hund dafür nicht einmal streicheln. Es reicht, dass er da ist.
Inaari fängt gerade an. Im Seniorenheim war sie schon dabei, ganz ohne Anforderungen. Sie musste nichts können und nichts leisten, sondern lag in ihrem Laufgitterchen und ließ sich bestaunen. Damit hat sie ihren Dienst bereits getan. Die Blicke, die auf ihr lagen, waren jedenfalls sehr weich.
Die Fachliteratur arbeitet sie auch schon durch. Früh übt sich, was ein Vorlesehund werden will.

Aus: “Faszination Eurasier” von Barbara und Thomas Post, KZG-Rassebuch ↩︎