Erfahrung mit einer Rasse, die alles andere als gewöhnlich ist
Eurasier sind keine Anfängerhunde und definitiv keine “Jedermann-Rasse”. Sie sind komplex, charakterstark und haben ihren eigenen Kopf. Aber genau das macht sie so besonders.
Vergiss Gehorsam wie beim Golden Retriever. Ein Eurasier überlegt erst gründlich, ob dein Kommando sinnvoll ist. “Sitz” bedeutet oft “Ich denke darüber nach”. Und das kann dauern.
Birkas Lektion: Wenn sie nicht über ein Hindernis springen wollte, dann eben nicht. Punkt. Gerade Birka war manchmal so stur, dass ich sicher war, der Maulesel muss bei ihr in die Lehre gegangen sein. Aber sobald sie bereit war, wurde “hops” zu ihrer liebsten Übung. Das ist kein Ungehorsam - das ist nordische Selbstbestimmung.

Ein Eurasier hat ausgezeichnete Ohren und hört sehr gut - wann die Wünsche, die an ihn herangetragen werden, dann umgesetzt werden, muss er allerdings erst gründlich überdenken. Und ob überhaupt.
Nordische Charakterköpfe: Eurasier solltest du nicht mit Schäferhunden oder Labradoren vergleichen. Sie sind eigenständige Denker, die ihre eigene Meinung haben - und das ist auch gut so. Wenn du lernst, mit ihrer Eigenständigkeit umzugehen, klappt die Kommunikation wunderbar.
Die Gedulds-Lehrer: Eurasier bringen dir bei, dass nicht alles nach deiner Zeitvorstellung ablaufen muss. Sie lehren Flexibilität und dass es manchmal besser ist, den richtigen Moment abzuwarten, statt zu forcieren.
Eurasier sind nicht für jeden da. Sie suchen sich ihre Menschen aus und bleiben ihnen treu. Fremde werden höflich geduldet, aber echte Zuneigung gibt es nur für die Familie. Das ist kein Fehler - das ist Charakterstärke.

Körperlich können sie durchaus rennen - am Fahrrad mitlaufen ist kein Problem. Aber: Wiederholungen langweilen sie.
In der Hundeschule die gleiche Runde zweimal laufen? Birka hat mich angeschaut, als hätte ich den Verstand verloren. Sie war doch gerade erst hier! Apportieren? “Du hast es weggeworfen, du holst es. Ich hab’s einmal gebracht, das reicht.”
Eurasier wollen geistig gefordert werden. Neue Routen beim Spaziergang, neue Situationen, neue Menschen - das ist ihr Ding. Ständige Wiederholungen? Nein danke.
Stress in der Familie merken sie sofort. Sie spiegeln unsere Stimmungen wider und reagieren darauf. Das macht sie zu fantastischen Familienhunden, aber auch zu anspruchsvollen Begleitern.
Achtsamkeitsübung mit Grashalm: Birka hatte im Alter ihre ganz eigene Art entwickelt: Beim Spaziergang wurde ein Grashalm von allen Seiten beschnüffelt. Gründlich. Mit absoluter Hingabe. Ihre eigene Achtsamkeitsübung. Oder auch meine - ich musste ja warten.

Kleine Rituale: Sie entwickeln ihre eigenen Gewohnheiten und Rituale, die für uns Menschen manchmal merkwürdig erscheinen, aber perfekt in ihre Welt passen.
Wir haben aktuell keine Welpen und auch keinen Wurf in Planung. Diese Seite ist eine reine Informationsseite über die Rasse und unser Leben mit Eurasiern. Fragen zur Rasse beantworten wir gern. Welpen selbst gibt es über die zentrale Welpenvermittlung des KZG.
Beim KZG Eurasier e.V., unserem Zuchtverband, gibt es eine zentrale Welpenvermittlung. Das ist zunächst ungewohnt - viele fragen: “Warum kann ich nicht einfach bei euch einen Welpen reservieren?” Ich finde das System gut, auch wenn ich verstehe, dass es anders ist als bei anderen Rassen.
Die Idee dahinter: Sie stammt vom Rassegründer selbst. Julius Wipfel wollte von Anfang an nur nach Bedarf züchten: keine Welpen auf Vorrat, keine Hunde, die später im Tierheim landen. Als er 1978 mit Gleichgesinnten die KZG gründete, war das der Kern des Vereins.
Zum funktionierenden System wurde die Idee durch seine Frau Elfriede Wipfel. Sie führte in den Anfangsjahren das Zuchtbuch und war allein für die Welpenvermittlung zuständig - sie hatte also den Überblick über alle Würfe und alle wartenden Familien in einer Hand. Genau diese Bündelung ist bis heute das Prinzip, nur dass die Arbeit inzwischen auf mehr Schultern verteilt ist. Dass Elfriede Wipfel als “Grande Dame” der Eurasierzucht gilt, kommt nicht von ungefähr.
Das Konzept “Zucht nach Bedarf” wird heute von verschiedenen Eurasier-Vereinen unterschiedlich umgesetzt.
Der wichtigste Punkt fällt erst beim genauen Hinsehen auf: Das System nimmt allen Beteiligten den Druck.
Stell dir vor, du fährst zum Züchter, siehst den Welpen, der für dich vorgesehen ist - und es funkt einfach nicht. Zu quirlig, zu zurückhaltend, das Bauchgefühl stimmt nicht. In dieser Situation sollst du absagen dürfen. Und du kannst es auch: Der Welpe bleibt nicht übrig, sondern geht an die nächste Familie auf der Liste. Es warten mehr Menschen auf einen Eurasier als Welpen da sind, das ist die direkte Folge der Zucht nach Bedarf.
Für uns als Züchter gilt dasselbe umgekehrt. Wir sitzen nie auf einem Welpen, den wir loswerden müssen. Genau dieser Druck ist es nämlich, der anderswo dazu führt, dass ein Hund am Ende doch bei Leuten landet, bei denen er nicht hingehört, weil der Termin drängt und der Käufer schon da ist. Wenn niemand verkaufen muss und niemand kaufen muss, entscheidet nur noch, ob Hund und Familie zusammenpassen.
Dazu kommt: Die Vermittlung kennt alle Würfe im Verband und alle wartenden Familien. Sie sieht Kombinationen, die wir als einzelne Zuchtstätte gar nicht sehen könnten. Wir müssen dabei keine Wartelisten sortieren, sondern können uns um die Hunde kümmern. Deshalb vergeben wir auch keine Welpen direkt: Fragen zur Rasse beantworten wir jederzeit gern, aber eine Zusage von uns würde genau das System aushebeln, das diese Fairness überhaupt erst herstellt.
So beschreiben wir das System am liebsten: Ein Eurasier wird gezüchtet, weil jemand ihn sich wünscht. Erst kommt die Familie, dann der Wurf. Nicht umgekehrt, nicht auf Verdacht, nicht am Bedarf vorbei.
Das hat eine Kehrseite, die wir nicht verschweigen wollen: Du musst warten. Und wer keine Lust auf Wartezeit hat, findet anderswo schnell einen Welpen, der sofort mitgenommen werden kann. Die Hürde ist dort mit Absicht niedrig, denn dort wird auf Vorrat produziert und der Welpe muss weg. Wir können nur sagen, wie wir das sehen: Die niedrige Hürde ist kein Vorteil, sondern der Grund, warum so viele Hunde später wieder abgegeben werden.
Die Wartezeit ist nämlich für etwas gut. Sie gibt dir Zeit für die Fragen, die man in der Aufregung sonst überspringt. Du holst dir kein Hobby ins Haus, sondern ein Familienmitglied, das im besten Fall siebzehn Jahre bleibt:

Wer diese Fragen in Ruhe durchgeht und trotzdem Ja sagt, ist genau der Mensch, für den wir züchten. Und der Hund, der dann kommt, ist ein Wunschkind im Wortsinn: Er wurde geboren, weil da jemand war, der ihn wirklich wollte.
Wichtig zu wissen: Andere VDH-Vereine wie der EKW (Eurasier Klub Weinheim) arbeiten anders - dort kannst du Züchter auch direkt kontaktieren. Alle VDH-Vereine züchten nach hohen Standards, der Weg zum Welpen unterscheidet sich lediglich.

Eurasier sind nicht einfach, aber sie sind es wert. Sie fordern uns, überraschen uns und bereichern unser Leben auf eine Art, die schwer zu beschreiben ist.
Wer einen Eurasier als Partner hat, bekommt keinen Hund - er bekommt eine Persönlichkeit.
Hast du Fragen zu unseren Erfahrungen? Schreib uns: info@dianenlichtung.de
Interesse an einem Eurasier? Informier dich bei der KZG-Welpenvermittlung